Das Thema „Rasen“ ist eines meiner grössten Probleme, im Versuch meinen Garten naturnaher zu gestalten. Wie schon ausgeführt habe ich seit 2003 keinen Rasen mehr. In diesem unfassbar trockenen Sommer vertrocknete in meinem Garten alles, was nicht entweder tiefe Wurzeln hatte oder gegossen werden konnte. Im Anschluss fehlten mir abwechselnd Zeit, Geld oder Wissen oder meist auch alles gleichzeitig, um wieder einen schönen, gepflegten Rasen auf dieser viel zu grossen Fläche zu bekommen. Ganz brav mähe ich seit bald 20 Jahre alle ein bis zwei Wochen moosiges Grün mit Stängeln.
Blumenwiese vs. englischer Garten
Dass regelmässiges Mähen mich nicht näher zu einem naturnahen Garten bringt, ist mir natürlich sonnenklar. Ich habe mich also während meiner Planung dazu entschieden, nur noch die Fläche zu mähen, die nur mit einem niederen Holzzaun zu den Nachbarn abgetrennt ist. Da springt jedes Beikraut im Galopp über den Zaun, wenn ich da nicht regelmässige mähe. Ihnen ist ihr Rasen wichtig und sie haben ihn schon zweimal komplett frisch angelegt. Die beiden anderen Segmente sind da deutlich unproblematischer und können eher vor sich hinwachsen. Die eine Fläche grenzt an eine Quartierstrasse, die andere an eine immergrüne hohe Hecke.
Soweit der Plan, welchen ich für mich als Kompromiss akzeptiert habe. Es ist mir wichtig, es mit den Nachbarn gut zu haben und das ist mein Preis respektive der Abstrich, den ich mache.
Die Mähsaison startet
Mitte April wollte ich also das erste Mal diese Saison mähen. Mein, im letzten Herbst gekaufter, neuer Mäher klang dabei so ungesund röchelnd, dass ich ihn nach den ersten fünf Minuten direkt in die Reparatur brachte. Entweder fehlen auch dort Ersatzteile im Moment oder es geht immer so lange. Auf alle Fälle bekam ich ihn nach etwa einem Monat zurück.
Blumige Überraschungen
Mit mässig schlechtem Gewissen (ich kann ja nun wirklich nichts dafür, dass ich nicht mähen kann) konnte ich jetzt einen Monat schauen, was da eigentlich so alles wachsen würde auf meinen Flächen. Es stellte sich heraus, dass ausgerechnet derjenige Teil, den ich auch künftig regelmässig schneiden will, jetzt schon eine blühende

Fläche voller Gänseblümchen, kriechender Günsel, Margeriten und was da alles noch käme, wäre. Die beiden anderen Flächen sind dagegen einfach nur trocken und kaum etwas blüht darauf.

Selbstverständlich haben auch oder gerade diese Flächen ihren ökologischen Wert und es wird darauf Standortpassendes wachsen, wenn die Pflanzen Zeit haben, sich zu entwickeln. Aber ich habe es so dermassen genossen die letzten Tage, einfach auf der Wiese herumzulaufen und Bienen und Schmetterlinge zu beobachten und habe mich durch das Mähen dessen selber beraubt. Ganz abgesehen davon, dass ich den Insekten einen Teil Lebensraum genommen habe, wenn nicht Schlimmeres.
Unlösbare Interessenkonflikte
Ich hatte ein dermassen schlechtes Gewissen beim Mähen. Aber hier treffen letztlich zwei Anliegen aufeinander und das Endergebnis ist schlicht total unbefriedigend für mich.
Liebe Corinna,
ich habe noch einen zweiten Bereich in meinem Garten als Wildblumenwiese angelegt. Dort hatte ich mir im letzten Jahr die Mühe gemacht, den Rasen abzutragen und eine Wildblumenmischung einzusäen. Dort wachsen mehr Wildblumen wie Schafgrabe, Rudbeckia hirta, Nachtkerzen, Leimkraut. Im zweiten Jahr ist alles weniger bunt als im ersten Jahr, aber das war ja zu erwarten. In diesem Bereich wachsen kaum Gräser, obwohl das Saatgut als Blumenwiesenmischung deklariert war. Im nicht gemähten Bereich ist es genau umgekehrt: mehr Gräser und einzelne Blumen. Ich glaube, so oder so, braucht man einen langen Atem. Mal sehen, wie sich die beiden Bereiche weiter entwickeln.
Viele Grüße
Herbert
Lieber Herbert
Danke für deinen Erfahrungsbericht. Ich bin ja wirklich gespannt, wie sich das dann entwickeln wird. Ich habe jetzt mal alles gemäht, damit ich die Bereiche vorbereiten kann. Wenn ich Zeit habe, hole ich mir morgen mal Initialziegel und fange mit den Vorbereitungen an. Ich werde wohl letztlich 3 verschiedene Streifen versuchen anzulegen. Einmal am Anfang und am Ende des Bereiches je einen Blühstreifen mit trockenen/halbschattigen Gewächsen in eher nährstoffärmeren Gelände. Mittendrin ein Streifen für nährstoffreichere, halbschattige Blumen. Zwischen den drei Obstbäumen werde ich das Abmagern einfach nicht vernünftig hinbekommen. Jetzt liegen zum Beispiel diverse Zwetschgen am Boden, die es bei Wind und Sturm runtergespült hat. Ich müsste ständig alles rechen. Je länger je mehr ich darüber nachdenke, macht das einfach auch keinen Sinn. Ich lasse dort lieber etwas auch für die Insektenwelt liegen und schaue, dass dort passende Pflanzen hinkommen. Während es 3 Meter weiter vorne und hinten sehr trocken ist.
Da haben wir ja noch einiges vor und können gespannt sein, was so alles passiert (oder halt auch mal nicht passiert) im Garten.
Liebe Grüsse
Corina
Wir haben einen größeren Bereich unseres Rasens seit dem Frühjahr nicht mehr gemäht. Jetzt können wir uns an blühendem weichen Storchenschnabel, Vergissmeinnicht, Ehrenpreis, Gänseblümchen und Löwenzahn erfreuen. Der Wiesenbereich soll auch in Zukunft stehen bleiben und wir im Herbst einmal gemäht. Allein schon zu beobachten, wieviel unterschiedliche Gräser mit unterschiedlichen Blüten dort wachsen, macht viel Freude. Und die Wiese sieht richtig frisch aus, während der Rasen drumherum schon wieder trocken wird.
Viele Grüße Herbert
Lieber Herbert
Das klingt ja super. Freut mich, dass das bei euch so gut klappt und danke für deinen Beitrag.
Leider ist mein Bereich eher etwas schwierig, weil es sich um sehr unterschiedliche Verhältnisse handelt, obwohl die eigentliche Fläche nicht so gross wäre. Es wechselt sich ab zwischen total verdorrtem Moosteil, welcher sonnig bis halbschattig liegt und geht über in einen schattigen Teil unter Bäumen. Es werden also auch diverse Pflanzen kommen mit der Zeit, weil einfach die Beschaffenheit zu unterschiedlich ist. Aktuell besteht aber Vieles einfach aus Gräsern. Ich habe am Wochenende möglichst viel von den Gräsern mit der Sense gemäht und alles, was Stauden war, möglichst stehen gelassen. Ich habe einige wenige andere Pflanzenarten entdeckt: sicher kriechender Günsel, verschiedene Kleesorten, viel Habichtskraut, eine Zaunwicke, Pimpinelle, Ackersenf und Weiteres, was noch nicht blüht. Aber das sind wirklich einzelne Pflanzen, die es in die Wiese geschafft haben und sich nun hoffentlich versamen. Ich drücke uns beiden die Daumen, dass sich möglichst bald eine möglichst vielfältige Blühwiese ergibt.
Liebe Grüsse, Corina